Erich-Klabunde-Preis

Mit dem Erich-Klabunde-Preis zeichnet der DJV Hamburg sozial engagierten Journalismus aus. Der Preis wurde 1957 von der damaligen Berufsvereinigung Hamburger Journalisten erstmals verliehen und dürfte einer der ersten bundesdeutschen Journalistenpreise gewesen sein. 

 

Der Namensgeber Erich Klabunde 

Erich Klabunde, geboren in Berlin am 20. Februar 1907, war Wahl-Hamburger. Nach einer Banklehre studiert er ab 1926 an der Hamburger Universität quer durch die Fächer: Soziologie, Kriminalpsychologie, Zeitungswissenschaften und Nationalökonomie. 

Alexander Zinn, Begründer der Staatlichen Pressestelle in Hamburg und Klabundes Lehrer an der Universität, bestimmt seine endgültige Berufswahl: Journalist. Zinn vermittelt ihn an den Hamburger Anzeiger, dem er bis 1933 angehört. Dann muss er die Redaktion wegen seiner Mitgliedschaft im Sozialistischen Studentenbund verlassen. Zunächst findet er Arbeit bei einem Wirtschaftsprüfer in Pinneberg und wird später - als Nachfolger des politisch stark exponierten Erich Lüth, der wiederum viel später ein Buch über Klabunde herausbringt - Schriftleiter der Verbandszeitschrift des Deutschen Nähmaschinen-Verbandes und Mitglied der Geschäftsführung. 

Von 1939 an war er fürs Wohnungsbauministerium tätig, was die Weichen stellte: Erich Klabunde baut nach dem Krieg als Geschäftsführer den Gesamtverband Gemeinnütziger Wohnungsunternehmen auf, gründet die Fachzeitschrift Gemeinnütziges Wohnungswesen und konzipiert als Abgeordneter des ersten Deutschen Bundestages und Mitglied des Bundestagsausschusses für das Wohnungswesen das Erste Wohnungsbaugesetz vom 24. April 1950. Von der Oppositionsbank aus gelingt es ihm, einen nahezu einstimmigen Parlamentsbeschluss herbeizuführen. Der Höhepunkt seines Lebens! 

Noch bevor die erste Zeitung wieder erscheinen darf, holen ihn die Engländer wegen seiner sozialpolitisch-genossenschaftlichen Funktion als Geschäftsführer im Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmer in die erste von ihnen eingesetzte Hamburger Bürgerschaft. Erich Klabunde wird sozialdemokratischer Fraktionsvorsitzender. 

Daneben sucht er schon im Sommer 1945 Kontakt zu den alten Journalistenfreunden. Auf sein Betreiben hin gründen sie am 23. November 1945 die Berufsvereinigung Hamburger Journalisten (BHJ) mit ihm als erstem Vorsitzenden. 1947 lädt die BHJ zum Ersten Deutschen Journalistentag nach Hamburg. 

Im Dezember 1949 gründen 63 Vertreter von zwölf Landesverbänden in Berlin den Deutschen Journalisten-Verband. Erich Klabunde wird zum ersten Vorsitzenden gewählt - wenige Tage nachdem er als Hamburger Abgeordneter in den ersten Deutschen Bundestag einzieht. Im Hauptausschuss des Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR) ist er maßgeblich am Aufbau eines demokratischen Rundfunks beteiligt. Klabunde setzt sich nach Kriegsende in der Hamburger Trümmerlandschaft für Hunderttausende ein, die kein Obdach haben und ist als ideeller Architekt Mitinitiator des sozialen Wohnungsbaus. 

Er ist engagiert wie kaum ein anderer, "immer sprungbereit zum geistigen Turnier", formuliert Adolf Grimme, der langjährige Generaldirektor des NWDR. Klabunde stirbt am 21. November 1950 in Bad Pyrmont an den Folgen eines Gehirnschlags, den er während einer Sitzung des NWDR-Hauptausschusses erlitten hatte - er wurde nur 43 Jahre alt. 

Erich Klabunde hatte einen offenen Blick und ein offenes Herz für die Probleme der Menschen seiner Zeit - wie auch die Preisträger der vergangenen Jahre. 

(Text: Marina Friedt, Grafik: George Riemann)