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04. Januar 2019

Berufsunfähigkeitsversicherung

Gründliche Recherche und langer Atem notwendig

Die wichtigste Versicherung für Erwerbstätige - der Aufwand vor dem Abschluss ist allerdings beträchtlich. (Fotocollage: Rainer Mersmann)

Die neue und erste DIN-Norm zur Versicherungs- und Finanzberatung (DIN 77230) wird im kommenden Jahr zeigen, was Verbraucherschützer bereits lange predigen: Die private Berufsunfähigkeitsversicherung ist nach der obligatorischen Krankenversicherung und der Privathaftpflicht die wichtigste Versicherung für Erwerbstätige, da der staatliche Schutz in den meisten Fällen überhaupt nicht ausreicht.

 

 

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung deckt die finanziellen Folgen von Krankheiten und Unfällen ab. Mehr als 90 Prozent aller dauerhaften Einkommensausfälle sind krankheitsbedingt. Hauptursachen sind mit Abstand psychische Erkrankungen, gefolgt von Erkrankungen des Bewegungsapparates sowie Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen.

 

Schnell zuschlagen? Wenn alles nur so einfach wäre. Nachdem der individuelle Bedarf ermittelt wurde, ist es ratsam, einen Beitrags- und Leistungsvergleich vorzunehmen. Dabei sollten bestimmte Leistungsstandards (z.B. Verzicht auf abstraktes Verweisungsrecht, Prognosezeitraum der Berufsunfähigkeitsversicherung für Ärzte sechs Monate) und Anforderungen an die Solvenz des Anbieters gestellt werden. Eine Marktanalyse lässt sich für Profis, die über entsprechende Expertensysteme verfügen, noch rasch erstellen. Was dann folgt, ist eigentlich ein Musterbeispiel dafür, was passiert, wenn die soziale Marktwirtschaft versagt. 

Als Verbraucher ist es unerlässlich, seine Gesundheitshistorie gründlich zu recherchieren. Hintergrund ist, dass der Versicherungsnehmer die gestellten Gesundheitsfragen umfassend und wahrheitsgemäß beantworten muss. Wird diese Anzeigepflicht verletzt, kann man im Leistungsfall leer ausgehen. Neben der Überwindung einer schweren Krankheit droht dann womöglich der finanzielle Ruin. Die Beantwortung der Fragen kann eigentlich nur gelingen, wenn man von der kassenärztlichen Vereinigung, dem Krankenversicherer und den Ärzten entsprechende Unterlagen anfordert.

Ein Problem könnte eintreten, wenn urplötzlich Krankheiten abgerechnet wurden, von denen man nichts weiß und die schlichtweg falsch sind. In diesem Fall bleibt einem nichts anderes übrig, als dazu – hoffentlich zusammen mit dem behandelnden Arzt – Stellung zu beziehen und nicht zutreffende Sachverhalte aufzuklären. Hat man alles beisammen und kann die gestellten Fragen zur Gesundheit beantworten, beginnt das große Puzzlespiel.

 

Wie beispielsweise eine große Untersuchung für die Zeitschrift Ökotest (3/2014) gezeigt hat, schließen die Versicherer Vorerkrankungen selbst bei vermeintlich kleinsten Wehwehchen schnell aus, erheben Risikozuschläge oder lehnen einen Antrag gar ab. Der Aufwand, der betrieben werden muss, der strenge Ausleseprozess der Unternehmen, verbunden mit einer immer stärkeren Berufsdifferenzierung, die es etwa körperlich handwerklich tätigen Personen kaum ermöglicht, bedarfsgerechten Schutz bezahlen zu können, führt dazu, dass nur ca. 20 bis 25 Prozent der Erwerbstätigen über Versicherungsschutz verfügen.  Gleich aufgeben? Ist bei diesem Thema keine gute Idee. Letztlich sind es nur ein paar Briefe, Mails oder Telefonate, die geführt werden müssen. Wichtig: Damit man nicht auf einer schwarzen Liste landet (HIS-Datei) oder bei weiteren Versicherern angeben muss, dass man schon mal einen Vertrag zu erschwerten Bedingungen angeboten bekommen hat, sollte man auf jeden Fall vorab eine sogenannte anonymisierte Risikovoranfrage stellen. So kann man in Ruhe alle konkreten Angebote nach Prüfung des Gesundheitszustandes vergleichen.

 

Und wenn der Gesundheitszustand oder die Kosten den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung nicht zulassen?

 Dann sind Alternativen gefragt. Wie schreibt die Zeitschrift Finanztest so schön: Jede Absicherung ist besser als keine.

Einen langen Atem benötigt man später unter Umständen auch, wenn es zum Leistungsfall kommt. Hier sollte man sich in kompetente Hände begeben und nicht selbst versuchen, den Anspruch durchzusetzen. Die Versicherungsabteilung der DJV – Verlags- und Service GmbH unterstützt Mitglieder bei der Anbietersuche. Unseren Mandanten stehen wir natürlich auch im Leistungsfall als unabhängiger Ratgeber zur Seite.

Helge Kühl

(Versicherungsmakler der DJV-V&S)