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09. Januar 2020

Eva Prott-Klebe – eine Frau der ersten Stunde erinnert sich

„Reisen Sie mit Gattin?“

Mit 22 Jahren begann „Fräulein Klebe“ 1948 als Sekretärin bei der Berufsvereinigung Hamburger Journalisten (BHJ), dem späteren DJV Hamburg. Als 1957 Mitbegründer und Geschäftsführer Ernst Geigenmüller als Leitartikler zum Hamburger Abendblatt wechselte, übernahm sie die Geschäftsführung der Journalistenvereinigung bis 1986.

Eva Prott-Klebe im Gespräch mit Marina Friedt.

Eva Klebe (rechts) im Büro am Gänsemarkt 35

Erster Presseball im März 1950: "Teddy" Dau, Dr. Ernst Geigenmüller und Eva Klebe

Die ganze Büroarbeit war ja ungleich zeitaufwendiger und umständlicher als heute. (Foto und Repros: Florian Büh, www.Gutes-Foto.de)

Bis heute besucht Eva Prott-Klebe jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit die DJV-Geschäftsstelle – mit einem selbst gebackenen Kuchen. Sie fühlt sich dem Verband verbunden – und der Verband sich mit ihr. 75 Jahre nach der Gründung blicken wir im Interview mit einer Frau der ersten Stunde zurück.

 

Eva Prott-Klebe, Sie haben die Anfänge des DJV Hamburg miterlebt. Wie ging das damals los?

In der Zeitung las ich, dass die Berufsvereinigung Hamburger Journalisten eine Sekretärin sucht, und am 23. Februar habe ich mich vorgestellt. Wir waren uns schnell einig, und es hieß, ob ich am nächsten Tag anfangen könnte. Aber da hatte ich ja Geburtstag, also fing ich am 25. Februar 1948 in der Esplanade 6 an. Damals war auch die Arbeitsgemeinschaft Nordwestdeutsche Presse bei uns im Büro, und das Presseversorgungswerk war in Vorbereitung.

 

Wie empfanden Sie die Männer der ersten Stunde?

Erich Klabunde kannte ich nur aus der Entfernung, der war viel unterwegs. Aber mein Chef, Herr Dr. Geigenmüller, war ein sehr kluger, belesener, angenehmer Chef. Er war damals 61 und wurde nach dem Mittagstisch immer etwas müde. Er ging mit seinem alten Mantel ins Nebenzimmer, legte sich auf den Boden und bettete seinen Kopf auf ein Buch, um seinen Mittagsschlaf zu halten. Das waren „Die ersten 14 Jahre deutsche Republik“ von Friedrich Stampfer. So war das.

Was war damals die größte Herausforderung für die Vereinigung?

Nach dem Krieg war das Wichtigste, wieder Mitglieder zu bekommen und die Not zu lindern. Das hat mein Wirken bestimmt. Die Not, die sich nach der Währungsreform bei den alten Journalisten und ihren Angehörigen ausbreitete, nachdem ihre Versicherung der Versorgungsanstalt auf ein Zehntel abgewertet wurde.

 

Die Angestelltenversicherung wurde eins zu eins umgestellt, die Beamtenversorgung sowieso, aber diese Versicherung, weil sie nicht auf gesetzlicher Grundlage beruhte, sondern auf einem allgemein verbindlichen Tarifvertrag, galt als Privatversicherung und wurde abgewertet auf ein Zehntel. Das war sehr schlimm.

 

Deshalb haben Sie sich auch für das Presseversorgungswerk eingesetzt?

Oh, ja! Und auch für die Hilfsmaßnahmen. Es gab einen von Verlegern und Journalisten bestückten Notfonds, aus dem erstmal Unterstützungen gezahlt werden konnten. Und auch, dass wir dann ab 1950 den Presseball neu aufleben ließen. Den hatte es schon vor dem Krieg in Hamburg gegeben, und der war für uns ein Mittel zum Zweck, um Geld zu sammeln für Unterstützungszwecke, und das gelang uns ja sehr reichlich. Anfangs gab es Gegenstimmen. Ich erinnere mich an eine Aussage: Es sei ja unverständlich, dass man jemanden erst mit Hummer füttern müsse, damit er ein paar Scheine rausrückt. Aber wir haben das auf uns genommen, und der Ball wurde ein großer Erfolg im Hotel Atlantic. Die Leute hatten nach den langen Kriegsjahren wieder Lust zu feiern.

 

Was war Ihre tollste Ballgeschichte?

Bei den Tombola-Losen gab es Gewinne und Nieten, und die zehn Hauptgewinne wurden mit drei Glücksrädern auf der Bühne gezogen. Die Räder wurden jedes Jahr überholt, damit sie nicht eierten. Als wir uns am Abend hinter den Kulissen die Räder besahen, fehlte bei einem eine Null. Und die war wichtig, um die Zahlen vollständig zu drehen. Der Presseball-Mitarbeiter und Abendblatt-Redakteur Klaus Losch ging in den Saal und fragte die Damen in der ersten Reihe nach einem Lippenstift. Als er die richtige Farbe fand, wurde die Null mit dem Lippenstift gemalt, und dann konnte die Verlosung losgehen.

 

Was waren Ihre größten Erfolge, welches Engagement lag Ihnen besonders am Herzen?

Etwas, das mir am Herzen lag, war Möglichkeiten zu finden, durch die sich Journalisten absichern konnten. Es gab leichtsinnige Kollegen, die meinten, sie könnten schreiben bis sie 100 wären. Die mussten wir dann unterstützen. Wir in Hamburg haben als erstes Land einen Vertrag mit der deutschen Krankenversicherung (DKV) abgeschlossen, der sich zuerst auf eine Krankenhaustagegeldversicherung beschränkte. Das war besonders wichtig für freie Kollegen.

 

… und auch Ihr langjähriges Engagement im Presseversorgungswerk?

Ja, ich wollte in den Verwaltungsrat des Presseversorgungswerkes gewählt werden, weil mich alle Fragen, die dem Versicherungsschutz der Journalisten dienten, interessierten. Damals gab es erst eine einzige Frau in dem Gremium, das war Regine Sakowsky. Und dann kam die Einladung mit der Nachfrage: „Reisen Sie mit Gattin?“, auf die ich entgegnete: Ich reise nicht mit Gattin. Aber wir bekamen trotzdem die Männergeschenke, so bekamen wir einen Rasierer, den brauchte ich ja dringend (schmunzelt). Und es hat eine ganze Weile gedauert, bis sie den Satz mit der Gattin wegließen.

 

Welche Geschichte erinnern Sie im Rückblick besonders gern?

Nachdem das Hamburger Abendblatt gegründet war und expandierte, wurde Klaus Losch, ein ehemaliger Marineoffizier, der beim Abendblatt arbeitete, von einem Kollegen gefragt: „Sag mal, Klaus, willst du dich nicht für den Betriebsrat aufstellen lassen, du kannst doch so gut Witze erzählen.“ (lacht) Das waren noch die goldenen Zeiten, als man mit Zeitungen Geld drucken konnte.

 

Was können die jungen Journalisten von heute von den damaligen Idealen und Werten aufgreifen und lernen?

Die Genauigkeit, die Zuverlässigkeit, die Aufrichtigkeit, die Unbestechlichkeit, das fällt mir so ein. Das ist eigentlich selbstverständlich. Junge Journalisten sollten möglichst ein umfangreiches Wissen haben, eventuell auch ein Spezialwissen, sie sollten zuverlässig und aufrichtig und gut organisiert sein – zu ihrem Nutzen und zum Nutzen anderer.

 

Das Gespräch führte Marina Friedt.