Deutscher Journalisten-Verband Landesverband Hamburg

Pressemitteilungen

Nadja Stavenhagen, Chefin der Akademie für Publizistik in Hamburg

Lernen, die Krise zu meistern

06.07.2020

Am 15. Juli 1970 gründeten Hamburger Journalisten, mehrere Verlage, die Journalistenverbände der vier norddeutschen Bundesländer und der NDR die Akademie für Publizistik als eingetragenen gemeinnützigen Verein. 50 Jahre später zwingt die Corona-Pandemie die renommierte Hamburger Weiterbildungseinrichtung dazu, Lehre und Lernen neu zu organisieren.

Akademie mit Blick auf den Nikolaifleet: Nadja Stavenhagen.

Marina Friedt (r.) beim Rundgang mit Nadja Stavenhagen (Foto: Florian Büh, www.Gutes-Foto.de)

Seit 2014 leitet die ehemalige G+J-Digitalchefin der Schöner Wohnen- und später der Geo-Gruppe, Nadja Stavenhagen, die Akademie. Die Vorsitzende des DJV Hamburg, Marina Friedt, die mit Stavenhagen einen engen Austausch pflegt, hat sie für die NORDSPITZE interviewt.

 

 

Die Corona-Krise hat auch die Akademie für Publizistik kalt erwischt. Gab es in der 50-jährigen Geschichte schon einmal so eine Schließung, und welche waren die ersten Reaktionen?

Das war tatsächlich das erste Mal. Die Allgemeinverfügung, aufgrund derer wir als private Bildungseinrichtung schließen mussten, kam an einem Sonntag raus. Noch am Abend haben wir die Teilnehmenden aus den laufenden Kursen informiert, dass wir unterbrechen müssen und uns morgen mit Ersatzterminen melden. Montagmorgen haben wir uns im Team zusammengesetzt, uns umorganisiert und Prioritäten besprochen. Binnen zwei Stunden hatten alle Laptops mit Serverzugang, und wir hatten einen Plan, wie wir uns im Home-Office organisieren und was als nächstes zu tun ist.

 

Wie haben die Volontäre, Auszubildenden und die an Weiterbildung interessierten Journalistinnen und Journalisten auf die Situation reagiert?

Besonders die Volontärinnen und Volontäre aus dem laufenden Kurs waren natürlich traurig, dass sie nach Hause fahren mussten. Grundsätzlich haben die Teilnehmenden und ihre Redaktionen sehr verständnisvoll reagiert. Die meisten hatten die Corona-bedingten Entwicklungen in Hamburg und Deutschland schon vorher mitbekommen und waren nicht überrascht. Viele haben umgebucht auf spätere Kurse oder sind in unsere Webinare gekommen. Einige haben auch erst mal ganz storniert und wollen die Entwicklung abwarten.

 

Konnten die Dozentinnen und Dozenten schnell auf digitale Angebote umstellen?

Viele Dozierende sind auf uns zugekommen mit Konzepten und Ideen für digitale Seminare. Mit anderen haben wir zusammen Webinare erarbeitet. Einige wenige möchten keine digitalen Formate durchführen, das ist okay. Wir unterstützen, wo wir können, zum Beispiel durch Know-how-Austausch oder Schulungen.

 

Laufen die Präsenzkurse inzwischen wieder? Welche Hygienekonzepte gibt es, und woran hat sich die Akademie bei der Kursplanung orientiert?

Wir haben seit Mai wieder geöffnet. Unter angepassten Bedingungen, um die Gesundheit und Sicherheit der Teilnehmenden und Dozierenden zu schützen. Unsere Kurse sind zum Beispiel kleiner, überall wird der Mindestabstand von 1,50 Meter eingehalten, jede Lerngruppe hat einen festen Raum und feste Plätze. Es gibt versetzte Pausen- und Ankunftszeiten für die Seminare, um möglichst wenige Teilnehmende gleichzeitig in einem Raum zu haben. In den Seminarräumen müssen keine Masken getragen werden, außerhalb schon.

Orientiert haben wir uns mit unserem Hygienekonzept an der Hamburgischen Eindämmungs-Verordnung und an den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts.

 

Es gibt einige empfehlenswerte digitale Tools für Seminare auf dem Markt – mit welchen führt ihr eure Seminare durch? Und worauf legt ihr dabei besonderen Wert?

Wir arbeiten mit Zoom, das sehr intuitiv und anwenderfreundlich und das am häufigsten eingesetzte Video-Tool ist. Innerhalb der digitalen Seminare arbeiten wir mit zusätzlichen Werkzeugen, um uns zu organisieren oder kollaborativ Inhalte und Ideen zu sammeln und zu teilen. Unser Favorit ist Mural, ein virtuelles Whiteboard, über das man sehr vielseitig in Gruppen zusammenarbeiten kann. Wichtig ist für uns, dass die Teilnehmenden einen leichten Zugang zur eingesetzten Software haben und dass sie den digitalen Raum als vielseitig und interaktiv erleben.

 

Besteht die Möglichkeit, die Weiterbildungsangebote der Akademie mit Bildungsgutscheinen oder Ähnlichem bezuschussen zu lassen?

Ja, man kann Bildungsgutscheine und Bildungsschecks bei uns einlösen. Und wir haben zusammen mit der Stiftung der Hamburger Presse eine Aktion für Freie aus Hamburg: „Die Halbe Miete“, bei der man bis zu 50 Prozent Zuschuss für ein Seminar bekommen kann.

 

Wird die Corona-Zeit nach Deiner Einschätzung zu einer nachhaltigen Veränderung der Mediennutzung in der Aus- und Fortbildung führen?

Definitiv. Eine der größten Veränderungen der Corona-Zeit ist für mich die Beschleunigung der Digitalisierung. In vielen Bereichen und auch in der Aus- und Fortbildung. Wir haben unser Digitalangebot im Zuge der Corona-Krise ausgebaut und gehen davon aus, dass diese Angebote auch nach der Krise verstärkt genutzt werden. Deshalb ist für uns ganz klar, dass Präsenz- und Digitalseminare in unser Programm gehören.

 

Welche langfristigen Auswirkungen hat die Corona-Krise für den Journalismus?

Die Herausforderungen der Corona-Zeit werden die Medienlandschaft prägen und verändern. Angefangen beim Geschäftsmodell, das mit der eingebrochenen Werbefinanzierung mehr denn je in Frage steht und dringend Alternativen braucht. Auch die Arbeitssituation vieler Journalistinnen und Journalisten – Home-Office, Kurzarbeit, kompletter Umsatzausfall bei Freien – wird Folgen haben: von flexibleren, freieren Arbeitsorganisationen in der Redaktion bis hin zu Berufs- oder Kompetenzwechseln. Eine hoffentlich langfristige Auswirkung wird das gestiegene Bedürfnis nach fundierter Information sein und das erstarkte Vertrauen in Qualitätsmedien und echte Experten.

 

Das Interview führte Marina Friedt.

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