Meldung Nordspitze

05. Januar 2018

Erich-Klabunde-Preis 2018

Die Gewinnerin ist Kristina Läsker

Kristina Läsker, Preisträgerin 2018 (Foto: Robert Haas)

Schon der Titel von Kristina Läskers Reportage über die Hamburger Reeder lässt erahnen, dass hier eine steife Brise weht: „Vaterlandslose Gesellen“. Für dieses Stück mit einem ganz besonderen Hamburg-Bezug erhält die Stern-Autorin den Erich-Klabunde-Preis 2018, ausgelobt vom DJV Hamburg.  

 

Einst waren die Reeder die Stützen und der Stolz der Hamburger Gesellschaft – rund ein Drittel aller deutschen Reedereien haben ihren Sitz in der Hansestadt. Dann trieben viele Eigner ihre Firmen in den Ruin, der drohte, die Stadtfinanzen mit in den Sog zu ziehen. Hamburg ist – gemeinsam mit Schleswig-Holstein – gezwungen, die landeseigene HSH Nordbank vorm Kentern zu bewahren; sie hatte viel zu viele Schiffe finanziert. All hands on deck: Müsste das Bankhaus nun geschlossen werden, hafteten für die Schulden schlussendlich die Bürger – jeder einzelne mit mehr als 4400 Euro. Doch während einer Reederei 547 Millionen Euro erlassen werden, gibt deren Eigentümer sein davon nicht betroffenes Privatvermögen für schönere Dinge aus – zum Beispiel eine Luxusyacht für knapp 9 Millionen Euro. „Der Typus des ehrbaren Kaufmanns ist selten geworden“, konstatiert einer seiner Kollegen. 

 

Die Jury freute sich besonders darüber, in diesem Jahr ein Wirtschaftsthema mit sozialem Schwerpunkt auszeichnen zu können; und eine Geschichte mit viel Systemkritik: Es geht um wirtschaftliche Verflechtungen und politischen Filz, um wenig Verantwortung und viel Betroffenheit. Am 27. Januar wird der Moderator und Autor Hans-Jürgen Börner auf dem 69. Hamburger Presseball die Laudatio halten, bevor die Auszeichnung von der DJV-Vorsitzenden Marina Friedt als feierlicher Höhepunkt im Hotel Atlantic Kempinski überreicht wird.

Renata Green