Meldung Nordspitze

04. April 2019

Verifikation-Tipps

So funktioniert ein gründlicher Faktencheck

Der Skandal um den Spiegel-Reporter Claas Relotius zeigte wieder einmal, wie wichtig ein gründlicher Faktencheck zur Verifikation einer Nachricht oder gar einer ganzen Reportage ist. Karolin Schwarz ist freie Journalistin und Faktencheckerin – beispielsweise für den Faktenfinder der ARD – und Gründerin von Hoaxmap (hoaxmap.org) – einem Portal, auf dem Falschmeldungen über Geflüchtete und People of Color zusammengetragen werden. Zusammen mit Eoghan Sweeny (osintessentials.com) arbeitete sie bereits im Bundestagswahlkampf 2017 bei Correctiv (correctiv.org). Gemeinsam vermittelten sie den Digital-Journalism-Fellowship-Studierenden an der Hamburg Media School in einem mehrtägigen Workshop digitale Tricks und Tipps zum Thema Verifikation. Anlässlich des internationalen Faktchecking-Tags am 2. April (factcheckingday.com) hat Marina Friedt die wichtigsten Tools von Karolin Schwarz für Faktchecking-Einsteiger zusammengestellt.

Karolin Schwarz spürt Falschmeldungen auf und entlarvt Bilderklau. (Foto:privat)

Tool 1

Bilderrückwärtssuche mit Google
(Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://images.google.de/?gws_rd=ssl) und Yandex (Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://yandex.com/images/). Einfach im Suchfenster von Images auf Kamera-Icon drücken und dann entweder die Bild-URL einfügen oder das Bild hochladen, auf Bildersuche klicken und los geht’s. Die verglichenen Bilder zeigen, wie die Original-Fotos aussahen und offenbaren damit Fakes. Auch sehr hilfreich bei Bilderklau, um zu überprüfen, wo eigene Fotos veröffentlicht wurden.

 

Tool 2

Um Fake-News und Fake-Videos aufzudecken, hat die Hilfsorganisation Amnesty International einen kostenlosen „Youtube DataViewer“ entwickelt, (Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://citizenevidence.amnestyusa.org/). Einfach in der Web-App den Link zum gewünschten Video einfügen und schon erscheinen alle Metadaten, die öffentlich verfügbar sind. Dabei sind unter anderem die YouTube-ID, das Upload-Datum samt Uhrzeit und die Video-Thumbnails (Miniaturbilder) nützlich, um Videos auf Echtheit zu überprüfen.

 

 

Tool 3

Account Analysis von Luca Hammer (Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://accountanalysis.lucahammer.com/) dient zur Überprüfung des Nutzungsverhaltens einzelner Twitter-User. Einfach mit dem eigenen Twitter-Account anfangen und schauen, an welchen Wochentagen, zu welcher Zeit oder zu welchen Themen man am meisten auf Twitter aktiv ist, (Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://accountanalysis.lucahammer.com/)

 

 

Tool 4

Erweiterte Suche/Suchoperatoren bei Twitter, beispielsweise, um weitere Tweets zu einem angeblichen Vorfall zu finden und um herauszufinden, wann die ersten Tweets zu dem Ereignis getwittert wurden. Die Suchmaske erlaubt, einzelne Wörter, ganze Sätze oder Hashtags zu suchen, (Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://twitter.com/search-advanced, Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://developer.twitter.com/en/docs/tweets/search/guides/standard-operators.html).

 

 

Tools 5

Karten mit Satellitenansicht wie Googlemaps (Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.google.com/maps/) oder Bing Maps View (Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.bing.com/maps/ und für osteuropäische Länder Yandex Panorama Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://yandex.ru/maps/) helfen bei der Verifikation des Ortes. Zudem mit Streetview beispielsweise zur Überprüfung von markanten Objekten (Straßenschilder, Straßenmarkierungen, Geschäfte), die auf Videos und Fotos zu sehen sind, zu nutzen. Zusätzlich dient Sonnenverlauf (sonnenverlauf.de) anhand von Schattenspielen zur Überprüfung der tatsächlichen Uhrzeit vor Ort.

 

Die Website der Faktencheckerin Karolin Schwarz ist unter karolinschwarz.de erreichbar.

(Marina Friedt)