Deutscher Journalisten-Verband Landesverband Hamburg

Angela Ölscher, Textproducerin beim SPIEGEL

Seit März 2020 sitze ich nicht mehr im Großraumbüro, sondern allein am Esstisch in meiner Wohnung. Das war eine drastische Umstellung. Es ist sehr viel ruhiger!

Die Coronapandemie hat mir aber vor allem Zeit beschert. Pro Arbeitstag entfallen fast zwei Stunden pendeln mit dem HVV und statt Vollzeit, arbeite ich nun Teilzeit. Wenn meine Unterstützung kurz nicht gebraucht wird, kann ich schnell nebenbei die Waschmaschine anstellen oder den Müll rausbringen – all die kleinen Haushaltstätigkeiten, die sonst vor oder nach einem Arbeitstag noch erledigt werden mussten.

Trotzdem vermisse ich die Ericusspitze, die KollegInnen, die Albernheiten in der Kaffeeküche, die Wettrennen zum selbstgemachten Abschiedskuchen der PraktikantInnen, das Ich-komm‘-mal-kurz-rüber und das professionellere Schreibtisch-Setup.

Viele KollegInnen werden nicht mehr da sein, wenn wir irgendwann wieder zurück in die Redaktion dürfen. Dennoch hoffe ich sehr, dass unser Team-Gefühl nach fast einem Jahr der Trennung nicht zu sehr gelitten hat.

Ab und zu telefoniert man doch viel länger als geplant mit einem Kollegen, dem man eigentlich nur eine schnelle Frage stellen wollte. Die Ausreißer vom Tagesgeschäft sind aktuell aber besonders wertvoll. Auch Konferenzen und Teamsitzungen mit Video sind wichtig, um zumindest ein paar menschliche Reaktionen mitzubekommen.

Gut ist, dass wir versuchen auf uns aufzupassen – auch auf Bitten der Geschäftsführung und der Chefredaktion. Dass niemand mit dem Zusatzstress der Kinderbetreuung überlastet ist. Dass alle auch wirklich Feierabend machen und nicht in eine 24/7-Schicht rutschen. Dass das menschliche Miteinander nicht untergeht – auch wenn der digitale Ton manchmal rauer ist. Aber am Ende des Tages sehe ich den KollegInnen nun mal leider nicht ins Gesicht und weiß nicht, ob die erschöpft oder glücklich sind. Ganz sicher sagt auch nicht jeder sofort Bescheid, wenn es ihm oder ihr gerade nicht so gut geht.

Achtet auf eure mentale und körperliche Gesundheit, ganz besonders, wenn ihr alleine zuhause sitzt. Und wenn es euch gut geht, schnackt doch eine Runde mit den anderen. Es ist wichtig, dass wir in Kontakt bleiben!

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