Interview mit Monika Rößiger

Beim Blick aus dem Fenster kann Monika Rößiger ihren selbstgezogenen Gürkchen beim Wachsen zusehen.

Monika Rößiger

Dipl.-Biologin, Sachbuch-Autorin u. Wissenschaftsjournalistin



Wann haben Sie begonnen, sich mit Corona zu beschäftigen?

Das Thema hat mich von Anfang an interessiert, weil ich früher schon über Epidemien geschrieben habe. Zuerst aber war meine Aufmerksamkeit nur persönlicher Natur, ohne journalistische Ambitionen. Das änderte sich schlagartig ab der 3. Januar-Woche, als hierzulande verkündet wurde, das neue Virus würde wahrscheinlich nicht nach Europa und somit Deutschland kommen. Das fand ich wiederum unwahrscheinlich und habe das auch kundgetan. 

 

Welche Konsequenzen haben Sie daraus gezogen?

Nur eine Woche später wurden die ersten Infektionen beim bayerischen Autozulieferer Webasto bekannt. Meiner Meinung nach schlug spätestens jetzt die Stunde des Wissenschaftsjournalismus – und das galt auch für mich, obwohl ich in den vergangenen Jahren überwiegend über Energietechnik geschrieben hatte. Also begann ich zu recherchieren, wie sich Experten des Bevölkerungs- und Katastrophenschutzes auf eine mögliche Pandemie vorbereiteten. 

 

Dazu haben Sie ein Interview veröffentlicht; das erste, das sich auch mit der notwendigen Krisenkommunikation beschäftigte. Wie hat sich ihre Arbeit seitdem verändert?

Sehr, weil sie sich nur noch auf den Schreibtisch beschränkt. Normalerweise wäre ich für Technik-Reportagen mit der Bahn umher gereist, um bestimmte Forschungsprojekte und Betriebe zum Thema Energiewende zu besichtigen. Auch eine Recherche im Ausland wäre dabei gewesen. Das fiel natürlich alles aus; manches ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Geblieben sind die üblichen Recherchen im Netz und per Telefon.

 

Nehmen Sie Außentermine wahr?

Leider nein. Selbst die Termine innerhalb der Stadt, die normalerweise mit einem Treffen verbunden wären, finden nur per Telefon statt. Das war übrigens schon relativ früh der Fall, weil meine Gesprächspartner im Bereich der kritischen Infrastruktur arbeiten. Und die für dieses Jahr geplanten Workshops, Konferenzen, Messen, an denen ich gern teilgenommen hätte, sind bislang ausgefallen. Das ist natürlich notwendig, aber andererseits auch schade. Mir fehlen die persönlichen Begegnungen und der Austausch mit Kollegen beim Mittagessen oder auf Veranstaltungen.  

 

Dominiert das Thema COVID-19 noch Ihre Arbeit? Gibt es inzwischen wieder andere Themen, die anziehen?

Covid-19 ist immer noch sehr präsent, weil ich nicht aufhören kann, mich damit zu beschäftigen. Obwohl ich gerade nicht darüber schreibe, sondern über Klimawandel und technische Innovationen im Bereich Erneuerbare Energien und Mobilität. 

 

Wie sind Ihre Vermutungen über die Zukunft? Welche Lehren sollten wir aus der Corona-Zeit ziehen?

Das Thema „Pandemien“ wird uns weiter beschäftigen, auch jenseits von Sars-CoV-2. Wissenschaftler warnen seit langem vor dem Auftreten neuer Krankheitserreger, die vom Tier auf den Mensch überspringen (Zoonosen). Wir müssen vieles überdenken und neu organisieren, um unsere Gesellschaften und die Wirtschaft resilienter zu machen. Die einseitige Abhängigkeit in der Produktion von Schutzausrüstung, medizinischen Geräten und Wirkstoffen wurde bereits erkannt und soll es so nicht mehr geben. 

Was m. E. außerdem dringend angegangen werden muss: 

 

  1. Ein besserer Schutz von Ökosystemen und Biodiversität – auch das dient eben der Gesundheitsvorsorge.

  2. Massentierhaltung endlich abschaffen. Vom Tierleid und den gravierenden Folgen für die Umwelt abgesehen (Grundwasser, Flüsse, Meere, Wälder, CO2-Emissionen), ist diese qualvolle Haltungsform bekanntermaßen eine Brutstätte für Antibiotika-Resistenzen und Viren-Mutationen aller Art. Damit steigt – auch bei uns – die Wahrscheinlichkeit, dass Viren vom Tier auf den Mensch übergehen können. Nun ist das Thema zudem durch die Ausbeutung der Arbeiter in den Schlachtbetrieben wieder aktuell geworden.

  3. Und nicht zuletzt: Energiewende voran treiben, um den Klimawandel noch etwas abbremsen zu können. Dass mit der globalen Erwärmung auch Krankheitserreger bzw. deren Überträger aus tropischen und subtropischen Regionen nordwärts wandern und in Europa heimisch werden können, ist seit den 90er Jahren bekannt. 
    Mein erster Artikel dazu erschien 1998.  

 


Die Fragen stellte Dr. Katharina Jeorgakopulos, Mitglied im Beirat des DJV Hamburg.