Sebastian Grundke

Sebastian Grundke berichtet als freier Journalist über Wirtschaftsthemen, Print und Online www.sebastiangrundke.de



Für mich hat sich wenig geändert: Ich war als freier Journalist schon zuvor eher im Home-Office als in der Redaktion. Allerdings sind mir nun einige Aufträge weggebrochen: Eine Redaktion, für die ich zuletzt regelmäßig geschrieben habe, ist in Kurzarbeit und erscheint nur noch mit einem ausgedünntem Blatt. Deshalb fehlt mir die Reporterarbeit, also die Arbeit mit Aufnahmegerät, Kamera und Notizblock vor Ort. Auch das spontane Verlegen des Arbeitsplatzes in ein Café ist nun nicht mehr möglich. Dort habe ich gerne Transkriptionsarbeiten, Fotoauswahl und vereinzelt auch das erste Verschriftlichen der Recherche erledigt.


Ich kann nur raten, sich nicht verrückt machen zu lassen: Aufträge, die wegen Corona auf Eis liegen, können teils auch in ein paar Monaten noch angegangen werden. Bei mir wurden zum Beispiel Texte zu Kulturthemen und soziale Themen vorerst vertagt, ebenso wie ein Vortrag in einer Schule. Was nicht am Tag hängt, kann aber nachgeholt werden.


Besonders Sorgen macht mir, dass viele Kultureinrichtungen momentan leiden und besonders die kleineren Betriebe der Subkultur um ihre Existenz bangen. Spannend ist hier, wie sich alte Bündnisse erneuern und neue Initiativen entstehen. Auch die Geschwindigkeit, in der dies geschieht, ist beeindruckend, gibt aber teilweise auch zu denken. DJs zum Beispiel streamen momentan viel, auch von daheim, um ihre früheren Spielorte zu unterstützen oder auf sich und ihre Situation aufmerksam zu machen. Die Debatte über das DJ-Set als Kunstwerk und Urheberrechte auf Streamingplattformen hat deshalb wieder Fahrt aufgenommen, da Facebook derlei Streams oft prophylaktisch beendet und die Aufzeichnungen zusätzlich hinterher verstümmelt - also einfach hier und dort den Ton killt.


Ich kann in dem Zusammenhang die Arbeit mit der Freeware OBS und einem Audiorekorder, der auch als USB-Device funktionert - zum Beispiel aus der Olympus LS-Serie oder einem Zoom-Modell - empfehlen. Als Tonquelle kann sowohl ein Mischpult wie auch ein Mikro dienen. Als Streamingplattform hat sich Twitch als unkomplizierter als Facebook erwiesen. Dies könnte auch für Podcaster interessant sein, die einerseits ein unkompliziertes Set-Up suchen und andererseits damit liebäugeln, ihre Casts mit Musik zu versehen. Auch das Einbinden eines Bildfeeds - von einer Laptop-Camera oder einer Webcam - ist via OBS möglich.


Das Foto zeigt mich an meinem heimischen Schreibtisch. Gut zu erkennen ist, dass auch die Corona-Krise mir noch nicht die Zeit gelassen hat, die Spinnweben hinter dem Schreibtisch zu entfernen. Das kleine schwarze Teil in meiner Hand ist ein schnurloses Telefon. Das Bild ist mit Selbstauslöser kurz vor einem telefonischen Interviewtermin entstanden.