Die Preisträgerin - Informationen zu Charlotte Parnack


 

(Foto: Edith Wagner/Die Zeit)

 

Charlotte Parnack wurde 1982 in Hamburg geboren.

Nach dem Abitur studierte sie dort, in München und in Bordeaux Politikwissenschaften, Französisch und Jura. Ihr Volontariat absolvierte sie anschließend bei der Süddeutschen Zeitung, bei der sie bis 2012 Innenpolitische Redakteurin war. Dann kehrte sie als Norddeutschland-Korrespondentin der SZ nach Hamburg zurück. 2014 übernahm sie die Ressortleitung des Hamburg-Teils der ZEIT. Charlotte Parnack wurde im Mai 2016 Mutter eines Sohnes, sodass sie sich momentan in Elternzeit befindet.

Die besondere Würdigung - Informationen zu Timo Großpietsch

 

 

Timo Großpietsch wurde am 12. September 1977 in Hamburg geboren.

Er studierte Medienwissenschaften und Volkskunde an der Universität Hamburg und Fotografie und Dokumentarfilm an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Danach volontierte er beim NDR. Hier ist er als Redakteur und Dokumentarfilmer in der Dokumentation- und Reportage-Abteilung beschäftigt. Neben dieser Arbeit nimmt er Lehraufträge an Universitäten im Bereich Dokumentarfilm war und arbeitet zusätzlich als Trainer für Film, Fernsehen und Videojournalismus.

 

Für seine TV-Reportage "Der Schulleiter – lehren, lachen, leiden" erhielt Timo Großpietsch den Erich-Klabunde-Preis 2010.

Der Laudator - Informationen zu Martin Wilhelmi

(Foto: Martin Brinckmann)

 

Martin Wilhelmi wurde 1961 geboren.

Er studierte Rechtswissenschaften in Passau und arbeitete währenddessen im neu gegründeten bayerischen Privatrundfunk. Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt Hamburg promovierte er im Medienrecht. Wilhelmi ist in Studios und Redaktionen mehrerer öffentlich-rechtlicher Sender tätig. Seit zehn Jahren ist er Mitglied der Erich-Klabunde-Jury.

Die Laudatio

Laudatio Erich-Klabunde-Preis 2017

des DJV Hamburg

von Dr. Martin Wilhelmi

 

(es gilt das gesprochene Wort – Sperrfrist Sonnabend, 28.01.2017 – 22 Uhr)

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Ballgäste,

meine sehr verehrten Damen und Herren:

 

Teile meiner Laudatio sind politisch nicht ganz korrekt und könnten empfindliche Gemüter oder Minderjährige verstören - Pardon - aber sie sind Zitate, die direkt ins Thema führen.

"Fick' Dich, Alter!"

"Was glaubst Du, wer Du bist, Vollhonk?!"

"Das gibt aufs Maul, Wichser!"

Das steht so in Straf-Akten Hamburger Verkehrs-Gerichte.

Das sagen Menschen mit Erziehung, Bildung und Familie - sie strecken Stinkefinger, spucken, drängeln, schubsen, treten und prügeln.

Wer von Ihnen, meine Damen und Herren, hat schon erlebt, wie PS-Protze und Rad-Rambos auf Hamburgs Straßen aneinandergeraten sind?

Wer ist selbst einer?

Oder Opfer...oder Zeuge?

OK, geschenkt...gehört das nicht zum Leben und Leiden in der Großstadt? Warum hat sich die Jury für den "Straßenkampf" entschieden - warum nicht für das große gesellschaftliche Thema "Flüchtlinge"?

 

3 Gründe:

Erstens. Natürlich wurden viele, viele Beiträge zur Einwanderung nach Deutschland und Hamburg eingereicht. Aber ein handwerklich "herausragender" - im Sinne der Statuten dieses traditionsreichen Preises - war nicht darunter.

Zweitens. Der "Straßenkampf" spiegelt ebenfalls ein großes gesellschaftliches Thema, dasselbe nämlich wie Massen-Migration.

 

 

Das Thema ist die Frage, wie gehen wir mit unseren gesellschaftlichen Werten um? Im Sinne Erich Klabundes, der für seinen Wert der gelebten Freiheit unter den Nationalsozialisten leiden und zeitweise auf seinen Beruf verzichten musste.

Während von Einwanderern Integrationsbemühungen verlangt werden, fehlen in der Gesellschaft plötzlich Einigkeit und Gewissheit darüber, in welche Werteordnung sie sich denn bitte genau zu integrieren haben.

Während Menschen im Familien-, Freundes-, Kollegenkreis umsichtig und rücksichtsvoll miteinander umgehen, löschen sie diese Werte schlagartig von den Schaltkreisen ihrer sozialen Verdrahtung, wenn jemand die Vorfahrt schneidet - ob auf zwei oder auf vier Rädern.

 

Dieses Thema hat - behutsam beurteilt - brisantes journalistisches Potential in einer Stadt, die richtig "Gas gibt" bei der Erhöhung der Radfahrerquote: In den kommenden 5 bis 10 Jahren will der Senat sie verdoppelt sehen: von derzeit 12,5 auf dann 25 Prozent des gesamten Straßenverkehrs in der Stadt, dann einsame Spitze in Deutschland.

Und drittens. Der Straßenkampf ist handwerklich herausragend.

Niemals droht der Text, vor lauter Schwere hinabzustürzen in den Abgrund des menschlichen Elends, das er beschreibt. Er leuchtet grell in diesen Abgrund hinein, bewahrt dabei aber eine angenehme Leichtigkeit beim Lesen.

Wenn mal wieder irgendwo "Parnack" drüber steht - les' ich's natürlich: Denn da weiß ich vorher, der Text ist reich recherchiert, gut gebaut und locker lesbar.

Das nenne ich Stil, im journalistischen Straßen-, Pardon, Wett-Kampf mag man's USP nennen - unique selling proposition, also Alleinstellungsmerkmal. Das hat die ZEIT offenbar erkannt und ihre heute 34-jährige Autorin und Blattmacherin gefördert - und be-fördert: Vor gut zwei Jahren zur "alleinigen Ressort-Leiterin der ZEIT:Hamburg".

 

Während die Preisträgerin noch eine Minute Vorfreude genießen mag, muss und möchte ich berichten von einem weiteren Beitrag, der aus Sicht der Jury preiswürdig gewesen wäre - wenn wir denn eine Kategorie dafür gehabt hätten:

Der Film "Stadt" montiert die Dreharbeiten eines Jahres zu einem wortlos-poetischen 90-minütigen Tag "Hamburg", unterlegt mit eigens komponierter Musik, gespielt von der NDR-Bigband.

Buch, Regie, Kamera, Ton und Schnitt: Timo Großpietsch, Klabunde-Preisträger des Jahres 2010 - eine Ehrenurkunde für 2017 hat er bereits beim Pressetermin am frühen Abend überreicht bekommen.

 

Mit herzlichem Dank für die sorgfältige Sichtung, die engagierte Diskussion und abgewogene Entscheidung an meine Kolleginnen und Kollegen in der Jury, und nicht minder herzlichem Dank für Ihre freundliche Geduld, meine sehr verehrten Damen und Herren, beginnt jetzt der journalistische Glanzpunkt des Presseball-Abends zu funkeln: Marina Friedt, die Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes Hamburg überreicht den Erich Klabunde-Preis 2017 an Charlotte Parnack!

 

 

 

- Sperrfrist Sonnabend, 28.01.2017 - 22 Uhr -

Martin Wilhelmi hält Laudatio auf ausgezeichnete Reportage

Auch 2017 wird der Erich-Klabunde-Preis, den der Deutsche Journalisten-Verband Hamburg (DJV) jährlich für eine sozialpolitisch herausragende Reportage mit Hamburg-Bezug auslobt, wieder als festlicher Höhepunkt auf dem Hamburger Presseball übergeben.

Am 28. Januar wird die Vorsitzende des DJV Hamburg Marina Friedt den Preis auf der Bühne im großen Festsaal des Atlantic-Hotels der Journalistin Charlotte Parnack überreichen. Die Laudatio für ihre Reportage aus dem Dossier der Zeit „Der Straßenkampf“ hält EKP-Juror und Fernsehjournalist Martin Wilhelmi.

Neben dem ausgezeichneten Beitrag zeigten sich die Jury-Mitglieder besonders beeindruckt vom außergewöhnlichen Dokumentarfilm „Stadt“ des Klabunde-Preisträgers 2010 Timo Großpietsch.