Deutscher Journalisten-Verband Landesverband Hamburg

JUBILÄUM - #75DJV_HH



Film mit Eva Prott-Klebe

Eva Prott-Klebe fing bei der Berufsvereinigung Hamburg Journalisten (BHJ) im Jahr 1948 als Sekretärin des damaligen Geschäftsführers Dr. Ernst Geigenmüller an und wurde dann nach seinem Ausscheiden 1957 seine Nachfolgerin. Bis 1986 führte sie in dieser Funktion die Geschicke des Verbandes.

Im November 2019 traf sie die Hamburger Vorsitzende Marina Friedt zu einem Interview.

Dieses können Sie in der NORDSPITZE lesen.

Am 25. Januar 2020 fand im Hotel Atlantic Kempinski der 71. Hamburger Presseball statt, auf dem auch wieder der Erich-Klabunde-Preis verliehen wurde.

In Erinnerung an die Neuanfänge des Presseballs nach dem Zweiten Weltkrieg sehen Sie Eva Prott-Klebe in diesem von Florian Büh produzierten Video.


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Hamburger Presseball - Geschichten aus den Anfangsjahren

Als die längjährige Hamburger DJV-Geschäftsführerin Eva Prott-Klebe, damals noch Fräulein Klebe genannt, im Jahr 1950 den ersten Presseball nach dem 2. Weltkrieg auf die (Tanz-)Beine stellte, gingen die Uhren noch ein wenig anders, und die Organisation eines solchen Mega-Events war noch ungleich umständlicher.

 

Für uns hat sie nochmal die Geschichten zusammengetragen, bei denen ihr Herz schneller schlug - mal bang, mal freudig.

1. "Gnädige Frau, haben Sie einen Lippenstift?"

Es trug sich zu, dass in den ersten Jahren des Presseballs nur etwa 1.000 nummerierte Lose ausgegeben wurden, während die besonders wertvollen Gewinne durch Glücksräder ausgelost wurden. Um alle an der Sonderauslosung teilnehmen lassen zu können, gab es Gewinne von 0 bis 999. Also drei Glücksräder, und jedes Glücksrad musste die Ziffern 0 bis 9 tragen. Eva Prott-Klebe: „Das einzige, was hätte passieren können, war dreimal die Null, aber dann hätte man es wiederholt.“ So weit so gut. Jedes Jahr wurden diese Glücksräder von einer Dekorationsfirma überholt, damit die Kugellager richtig liefen, verblasste Ziffern wieder hübsch gemalt wurden etc. Dann wurden die Glücksräder für ihren Auftritt im Atlantic hinter der Bühne verwahrt. Als Eva Prott-Klebe eines Presseball-Abends die Glücksräder in Position dirigieren wollte, erstarrt sie beim Anblick des Glücksgespanns: Auf einem Glücksrad war die Null gestrichen worden. „Da hat wohl einer gedacht, wieso, warum ne Null? (Lacht.).“ Aber dann hätte ja niemand mit einer einstelligen Zahl gewinnen können. Das Organisationsteam um Prott-Klebe beriet eifrig, was zu tun sei. Mitten in der Nacht wurden die Oberkellner zu Hilfe gerufen. „Und dann haben wir noch jemanden gefunden, der uns da wo eigentlich die Null hätte sein müssen, einen Nagel eingeschlagen hat!“, erzählt die über Achtzigjährige wieder (immer noch?) freudig erleichtert. Aber nun musste noch eine rote Null her. Ein Herr Losch, dessen Vorname ihr entfallen ist, hatte die Idee und ging von Tisch zu Tisch und fragte: „Gnädige Frau, haben Sie einen Lippenstift“. Natürlich nur, wenn das Rot auf den Lippen der Dame, dem Rot der anderen Nullen entsprach. Irgendwann traf er ins Rote und die bis dahin durch irgendwelche Zusatzmusik hingehaltenen Gäste, erlebten, dass die Glücksräder auf die Bühne gestellt wurden und alles seinen gewohnten Gang ging.

2. Mit 16.000 Mark im Plastikbeutel durch die Säle getanzt

Einmal musste ich nachts im CCH noch die beiden Kapellen auszahlen – in Bar natürlich! Ich hatte Angst, irgendetwas Offizielles als Behälter zu nehmen, bloß keine Aktenmappe, nich. Aber ne schäbige Plastiktüte, die fällt nicht auf, dachte ich! Da habe ich das Geld reingepackt, und damit es weiter nicht auffiel, bin ich durch den Saal getanzt, habe das Geld abgeliefert und dann habe ich meine Plastiktüte wieder zusammengefaltet. Meinen Auftrag hatte ich erfüllt. Natürlich habe ich mir das ganze quittieren lassen. Bei 16.000 Mark muss das schon sein.

3. Bonbons aus Mexiko

Wir bekamen `mal im letzten Augenblick Bonbons aus Mexiko. Wir sagten, was machen wir mit den Bonbons? Wir probierten sie und sie schmeckten überhaupt nicht. Aber wir hatten ja die Gäste aus dem Ausland und konnten die Bonbons nicht einfach untern Tisch fallen lassen. Also kauften wir Körbe, schütteten die Bonbons rein, machten hübsche Schleifen dran und schrieben, dass jeder nach Belieben nehmen dürfte. Nach zehn Minuten waren sie weg.

4. Die Haspa-Enten waren dann auch mal weg

Jahrelang spendete die Haspa Enten für eine Endnummer. Das heißt ganz zum Schluss wurde das Rad noch mal gedreht und wenn es ne fünf oder ne drei war, dann hatte jeder, der auf seinem Los - auch wenn es ne Niete war - eine von der Haspa tief gefrorene Ente gewonnen. „Man konnte durchaus nur Nieten haben und ging trotzdem mit drei Enten nach Hause“, freut sich Prott-Klebe noch immer. Damals gab es im CCH einen separaten, kleinen Raum für die Polizei. – In den letzten Jahren nach einer Bombendrohung ist immer ein Pulverhund durch die Räume gegangen. „Ein wunderschöner Schäferhund. Ich sehe ihn noch.“ – Und in diesem Raum gab’s einen kleinen Kühlschrank. Und wir, unser kleiner Trupp der Mitarbeiter, hatten fünf Enten. Die hatten wir über Nacht in dem Kühlschrank im Polizeizimmer gelagert. Und als wir sie am nächsten Tag mitnehmen wollten, da waren die Enten weg. „Große Empörung, jetzt stiehlt sogar noch die Polizei“, erregt sich Prott-Klebe immer noch. Nur es war ganz anders gewesen: Die Polizisten hatten natürlich auch ein begehrliches Auge auf die Enten geworfen und da sie keine Möglichkeit hatten eine zu gewinnen, hatten die Haspa-Vertreter ihnen auch jeweils eine Ente versprochen: Es waren fünf Polizisten, macht also fünf Enten. Irgendwann in der Nacht haben die Polizisten den Kühlschrank aufgemacht und gedacht, ach, wie liebenswürdig von der Haspa, dass sie uns die Enten da rein packt… (lacht verschmitzt).

Ente gut – alles gut.

5. Die verlorenen Lose

Zu der Zeit als wir die Lose noch aus Berlin bekamen. Das waren immer zwei Kartons und das klappte immer. In einem Jahr kriegten wir seltsamerweise nur einen Karton. In Berlin angerufen, sagten die, dass sie zwei Kartons zur Post gegeben hätten, dann und dann. Damals  gab’s schon das große Postamt am Kaltenkirchener Bahnhof bei der Holstenstraße und die haben alles durchsucht und in einer kleinen Ecke fanden sie den Karton, der aus Versehen nicht zugestellt worden war. Und da bin ich mit ner Taxe hin und hab die abgeholt! Weil ich Angst hatte, wenn ich jetzt noch mal, dann… ja.  

 

6. „Die Tombola schwimmt“

Es muss Anfang der 80-er Jahre gewesen sein, da stand die Tombola auf Paletten in einem Kellerraum. Und dann gab es eine Überschwemmung, ich glaube durch einen Rohrbruch, und Frau Stollert wurde morgens telefonisch geweckt und man sagte „Frau Stollert, ihre Tombola schwimmt“. Damals hatten wir zum Glück eine neue Mitarbeiterin, die uns eine fantastische Aufstellung gemacht hatte über alles, was noch brauchbar war und alles, was verdorben war. Und die Firmen waren sehr großzügig und haben uns teilweise die Tombola-Preise, die verdorben waren, nachgeliefert und zum Teil hat die Versicherung bezahlt und dann konnten wir neu kaufen. Das war eine gute Woche vorm Presseball.

 

Wir hatten jahrelang immer einen Volkswagen als Gewinn gehabt, den haben die Hamburger Volkswagenhändler gespendet. Wir hatten eine ganze Menge Reisen und was auch heute noch begehrt ist: eine Woche Hotelaufenthalt.

7. Die Frau fürs Leben gefunden oder verloren…

„Da gab’s auch mal jemanden, der hat nicht die Frau für’s Leben gefunden, aber der kam so schlecht gelaunt ins Büro und holte seine Mitgliederkarten. Und ich sage: „Warum sind sie so schlecht gelaunt, Sie haben doch jetzt das Fest vor sich.“ „Ich habe überhaupt keine Lust, ich will viel lieber zu Hause bleiben, meine Frau will, dass ich mit komme.“ Morgens um vier sah ich dann auf dem Ball und sag’ zu ihm: „Nun haben sie es ja bald geschafft.“ „Wieso geschafft? Es ist ein herrliches Fest, wir haben so nette Leute getroffen!“ So kann es vielen Tanzmuffeln gehen.

8. Ein Bayer spielt den Hamburgern die Löffel aus der Tasse?

Jahrelang hatten wir als Kapellmeister Max Greger engagiert, ein begnadeter Mann, ich mochte den persönlich auch so gerne, weil er so angenehm als Geschäftspartner war. Aber als er das erste Mal in Hamburg im Atlantic-Festsaal spielen sollte, wollte er nicht!

Wir waren bei den Vorbereitungen mit allem wunderbar zurecht gekommen und an dem Abend des Presseballs, zwischen sechs und sieben, ließ er und der damaliger Vorsitzende Herrn Maschmann mich in den Atlantic-Saal kommen und Greger sagt: „In dem Saal spiel ich nicht!“ Ja, warum denn nicht? „Wenn ich in mein Saxophon stoße, dann fallen den steifen  Hamburgern die Löffel aus der Tasse.“, behauptete er. Er war Bayer und wir haben dann freundlich und überzeugend klar gemacht, dass wir einen Vertrag abgeschlossen hatten und, dass die Hamburger gar nicht so steif wären! Und als ich nachts um vier in den großen Saal ging ihn fragte, „na Herr Greger, meinen Sie immer noch, dass die Hamburger steif sind, dass sie ihre Musik nicht vertragen?“ Da antwortete er: „Nein, es ist ganz herrlich.“

Und wir haben ihn jahrelang als Kapellmeister gehabt. Der hat die Leute hoch gekriegt, das haben wir dann auch nie wieder erlebt. Im CCH sind die Leute in einer Riesen-Polonaise durch die Säle gezogen.

 

9. Meistens kommt es anders als man denkt – von Lichtschranken und Polizeibeamten

Ich weiß nicht, ob sie mal unser üppiges Büro am Gänsemarkt 35 gesehen haben. Das waren zwei kleine Räume, die waren wirklich voll. Als ich ausschied 1986 da hatten wir an die 1.300 Mitglieder – nicht so viel wie heute – aber das wäre da nicht zu schaffen gewesen. Also, da unser Büro zu klein für die Vorbereitungen war, hatten wir in jedem Jahr ein Büro, das uns die Deutsche Bank zur Verfügung stellte. Einmal trafen wir uns in einer Filiale am Schulterblatt am Sonnabend, eine Woche vor dem Ball, und setzen uns und ordneten die Preise: es galt Bücher und Schallplatten in Listen aufzunehmen, Gutscheine in Umschläge zu verpacken, eben vorzuarbeiten – sonst wären wir in einer Nacht gar nicht durch gekommen. Und wir saßen im Schulterblatt und waren so sechs, acht Leute, die da den Sonnabendnachmittag gearbeitet haben und man hatte uns vorher darauf hingewiesen, wenn jemand mal zur Toilette müsse, dürften wir eine gewisse Linie nicht überschreiten, weil das Haus gesichert sie. (Lacht) Und irgendeiner hatte wohl nicht hin gehört. Jedenfalls, wir saßen da ganz harmlos und machten unsere Arbeit und auf einmal wird die Tür aufgerissen und es kommen Polizeibeamte mit Pistolen oder Revolvern – wie man das nannte – rein. Da hatte eben jemand die Lichtschranke durchbrochen, die Polizei war alarmiert worden. Wir waren beide erstaunt und die Polizisten haben natürlich auch etwas anderes erwartet!      


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