Deutscher Journalisten-Verband Landesverband Hamburg

Dagmar Gehm

Die Reisejournalistin Dagmar Gehm ist jetzt lokal unterwegs

Sie empfiehlt: Nie Plan B aus den Augen verlieren
 

Als freiberufliche Reisejournalistin spüre ich die Corona-Krise besonders stark. Denn der Motor dieser Sparte ist nun mal das Reisen. Und da geht augenblicklich gar nichts mehr. 
 

Inzwischen reduziert sich der Globus auf die Größe meines Home Offices. Tourismus und Touristik als treibende Wirtschaftskraft finden nur noch in digitaler Form statt, die meisten Reiseredaktionen arbeiten sich – wenn überhaupt - an Archivmaterial ab. Besonders hart: Da Aktualisierung + kompletter Relaunch meines Indien-Reiseführers vor Ort jetzt nicht möglich sind, beschloss der renommierte Verlag kurzerhand, den Band komplett einzustellen. Mir bleibt ein klägliches Ausfallhonorar. 

Im Forum der Vereinigung deutscher Reisejournalisten VdRJ tauschen sich Kollegen aus, ob und wo noch etwas läuft. Das Gleiche gilt für Mitglieder des Luftfahrt-Presse-Clubs LPC. Neues aus der in starke Turbulenzen geratenen Luftfahrt erfahre ich zum Beispiel per Videokonferenz am 21. April vom Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek (CDU). Ursprünglich war das Treffen im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin geplant.
 

Tourismus und Umwelt – ein zweischneidiges Schwert, über das man auch vom heimischen Schreibtisch aus berichten kann. Ohnehin bewege ich mich meist abseits des Mainstreams. Seit vielen Jahren begleite ich als „Hilfshirtin“ 2.000 Schafe von Tirol nach Südtirol über den Similaungletscher. Ich habe als Korrespondentin im Sri Lanka gelebt, bei den Massaikriegern in Kenia, bei den Maoris in Neuseeland, den Aboriginees in Australien und gleich nach Perestroika auf dem russischen Segelschulschiff „Mir“ angeheuert. Auch über Krisengebiete und Missstände konnte ich berichten, wie den Bürgerkrieg im Norden von Sri Lanka, Favelas in Rio, Flüchtlingslager im Jugoslawienkrieg, die Zustände von Elefantencamps in Thailand oder kürzlich für dpa die Lage von Studenten in Palästina. 

 

Gegen die Auftragsflaute im Reise- und Auslandsjournalismus kämpfe ich, indem ich als Reporterin für verschiedene Zeitungen spannende lokale Themen aufgreife – ein zweites Standbein, das ich mir bereits aufgebaut hatte, als sich Auslagerung, bzw. Bündelung vieler Reiseredaktionen und die damit gekoppelte Einsparung von Freien abzeichnete. Da Covid 19 meinen Bewegungsradius ausbremst, konzentriere ich mich jetzt auf soziale Initiativen und Aktionen im Lokalen. 

Mein Tipp für Kollegen in ähnlicher Situation: Plan B nicht völlig ausschließen. Flexibel sein und den Fokus verlagern, selbst wenn die Fachkompetenz andere Schwerpunkte beinhaltet. Als Freiberufler da einspringen, wo in der Krise gerade Bedarf herrscht und nicht nur Themen aus dem Feld anbieten, das man sonst immer beackert. 

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